Raus mit uns!



Ich liebe diese Stadt, aber kaum wird's ein bisschen wärmer und es fängt an zu grünen, kriege ich Landsehnsucht. Zeit, Mann, Kind und Utensilienkorb einzupacken und durch Brandenburg zu mäandern...Auf dieser Seite zeige ich Euch, wo es uns gut gefallen hat!

Kleine (fotografische) Liebeserklärung.

 

Dies ist ein weiterer Beitrag der Reihe "Ich packe meinen Koffer". Sieben Blogs nehmen euch abwechselnd mit auf Reisen...schaut mal hier: Letzte Woche hat uns Nina von Timbaru nach Cerveny Kamen, eine Burg in der Slowakei mitgenommen  - das Kinderzimmer reist heute nach Bella Italia!

 

Drei Tage Rom,

36 Grad im Schatten, mit vierjährigem Kind: so ganz ideal war das nicht für den vollen Kulturtrip. Wobei: mit Kind hat man einen ganz anderen Zugang zu Menschen und Orten. Die Italiener sind ja bekanntermaßen sehr kinderlieb. Jeder Kellner hat sich Gedanken gemacht, was er der bella bambina nun kredenzen könnte. Ich liebe diese Esskultur. Kein Kind wird mit Pommes abgespeist oder irgendeinem frittierten Sch***. Es gibt keine Fressbuden, nirgendwo. Die Leute setzen sich zum Essen hin, weil sie es genießen und weil es einen Wert hat. Hier, im Ginger, war es allerbesonders toll!!!

 

Wir sind gebummelt, vorzugsweise durch die schattigen Gassen und haben so im Vorbeigehen die touristischen Highlights mitgenommen. Und obwohl es so unendlich voll war teilweise, verliert Rom nicht an Würde.  

 

Das Pantheon. Oft darüber gelesen - aber richtig vorstellen konnte ich mir das nicht, das mit der offenen Kuppel. Und soll ich euch was sagen: ich stand in diesem unglaublichen Bauwerk und hatte Gänsehaut. Kein falsches Pathos, aber echt empfundene wahnsinnige Schönheit.

Ich als Katholisches Mädchengymnsium - Abiturientin musste mir natürlich den Petersdom anschauen. Jedem sei unbedingt zu raten, gleich morgens um 8 dort zu sein - schon etwa anderthalb Stunden später hat sich die Schlange einmal rund um die Piazza San Pietro gebildet - mit mehrstündigen Wartezeiten.

 

Keine Frage, der Petersdom ist ein imposantes Bauwerk. Es gibt unendlich viel zu kucken und mein kleineskleines Kunsthistorikerherzchen schlug natürlich höher. Was man hier nicht suchen sollte, ist Ruhe oder Einkehr: das bietet jede brandenburgische Dorfkirche, der Petersdom nicht. Er ist wahnsinnig groß, in jeder Ecke werden Messen abgehalten und das ganze hat durch die nicht enden wollenden Touristenströme mehr einen rummeligen Charakter. Hm. Auf keinen Fall auslassen sollte man den Campo Santo Teutico, einen kleinen Friedhof deutscher Exilanten hinter dem Petersdom.

 

Rom ist die perfekte Stadt, um sich treiben zu lassen. Es gibt so unzählig viele kleine lauschige Eckchen. So viele schöne römische Menschen. Salumerien, Bars zum Verweilen...

Ich komme wieder. Ganz bald!

 

 

Meine Tips für Städtetrips mit Kind:

 

1. Nur einen groben Tagesplan mit wenigen Sightseeing-Punkten machen.  

 

2. Zwischendurch einen schönen Park suchen, Picknick machen, Spielplätze ausprobieren und ja, einfach mal schön chillen. In diesem Fall: Villa Borghese, da gibts auch Karussells und Eisstände.

 

3. Falls man mal Gemälde kucken mag: ein Wimmelbild draus machen. Ich-sehe-was-das-du-nicht-siehst geht auch mit Michelangelo. Geschichten erfinden (hier vorzugsweise irgendwas mit Prinzessin und Kleidgedöns :-))

 

4. Keinen Dreitagestrip machen - sondern rundherum einen ganzen Urlaub planen. Wir haben uns ein Ferienhaus ca 40km südlich von Rom auf dem Land gemietet und blieben zwei Wochen dort. Für die Stadttage sind wir superfrüh aufgestanden und mit Pendlerzug nach Roma Termini gefahren - wo wir um viertel nach acht aufgeschlagen sind :-0. Zwischen den Tagen in der Stadt haben wir im Garten abgehangen, sind zum Strand gefahren und haben Ausflüge in die Albaner Berge und die Castelli Romani (uralte, auf die Römerzeit zurückgehende Dörfchen) gemacht. Und natürlich tonnenweise Eis gegessen.

 


Brandenburg/Oberkrämer: Schloss Schwante


Im Berliner Umland gibt es trölfhundert Schlösser und Gutshäuser. Einige noch im Dornröschenschlaf, andere fein rausgeputzt. Mit englisch-nobel-wilden Gärten oder symmetrisch angelegten Parks. Jedes hat eine Geschichte, jedes hat Charakter. Schwante ist das Schloss für den perfekten Sonntag zum gepflegten Abhängen irgendwo zwischen stilvoll und lässig.

Das Schloss, das eigentlich ein Guthaus ist, stammt aus den 1740er Jahren und hat, wie wohl alle Gebäude dieser Dimension, in seiner Geschichte verschiedene Funktionen erfüllt. Zunächst Sitz der Familie Redern und von Bredow und später der von Bülows diente es im zweiten Weltkrieg als Klinik für Typhuskranke und später als FDJ-Bildungseinrichtung. Es folgte ein jahrzehntelanger Leerstand. 


Wer das Monbijoutheater liebt, gern im Clärchens Ballhaus verkehrt und die Märchenhütte schätzt, konnte sich über den Verkauf Schwantes an die Hexenkessel und Strand GmbH im Jahr 2009 freuen. Als "Ort der Sommerfrische" dienen Haus und Park jetzt, Theaterstücke und Märchen werden dort inszeniert - und ein neu eröffnetes Restaurant macht mit Pulled Pork (einem 14stündig gegarten Backschwein auf geröstetem Brot) oder regional ausgerichteten Tapas glücklich.

Schwante hat sich als perfektes Herbstidyll präsentiert...wir, die Eltern, lagen mit einem gemütlichen Hefeweizen in den Liegestühlen, die im angenehm unprätentiösen Garten verstreut herumstehen. Das Kind okkupierte das tolle Baumhaus und schaukelte sich ins Kindernirwana.

Natürlich könnte man auch drin schick essen, mit weißen Stoffservietten und dem Gefühl, sofort Reitstiefel und die Barbourkollektion anziehen zu wollen. Oder zumindest das Tweedjacket. Aber keine Angst: schnöselig ist hier nicht, eher die perfekte Mischung aus Stil und Gelassenheit.

Bitte hinfahren! Ich freue mich schon drauf, wenn Schwante eines Tages auch Zimmer zum Übernachten anbietet. Dann zieh ich ein und kauf mir einen Labrador.

Termine für Aufführungen, eindrucksvolle Fotos und Anfahrt hier.


Kleine Sommerfrische...ein Rückblick.

Was kann man dann der Sehnsucht nach dem Land, kühlem Wasser, alten Bäumen und offener Landschaft entgegensetzen...nichts. Ab ins Auto mit Picknickkorb, Sonnenhüten und lecker Himbeer-Avocado-Ziegenkäse-Sandwiches... 

Heimat: Die Rhön ist schön.

Das Biosphärenreservat Rhön hat natürlich bei mir einen fetten Heimatbonus - und das obwohl wir uns erst mal anfreunden mussten. Aufgewachsen mit Blick auf Wasserkuppe und Milseburg fand ich sie langweilig. Zu unspektakulär für ein Gebirge. Und eigentlich mochte ich das Meer immer lieber. Zwanzig Jahre weg vom Mittelgebirge, nach Ansiedelung und Eingewöhnung in der brandenburgischen Streusandbüchse, finde ich es hier in der Heimat wieder echt schön und erholenswert ursprünglich. Wer gerne wandert, mit Kindern die Natur entdeckt, Lebensräume seltener Arten erforscht oder schlicht Schafe mag, kommt an der Rhön nicht vorbei. Oben auf der Wasserkuppe, 950 Meter hoch, ist der Slogan der heimischen Touristikbranche, "Land der offenen Fernen" selbsterklärend. Also so:

 

Auf der Wasserkuppe nahm die Segelfliegerei vor über 100 Jahren ihren Anfang. Wenn man sich also fürs Fliegen interessiert, ist zum einen gut im Deutschen Segelflugmuseum gut aufgehoben. Oder man steigt gleich ins Flugzeug, sei es, um einen Rundflug zu machen oder um selbst fliegen zu lernen. Auch Gleitschirmflieger finden hier ideale Bedingungen..


Es gibt natürlich hunderte tolle Dinge zu tun, sommerrodeln, skifahren im Winter, Museumsdörfer, Lamafarmen, reiten, poetisches Erzähltheater unterm Sternenhimmel...Aber ich freu mich einfach auf schöne Natur. Hügelauf und -ab wandern, dicke grüne Wiesen laden zum Picknick ein, die Wälder sind schön kühl. Überall bieten sich schöne Fernsichten, was den kurzsichtigen Großstadtaugen auch mal gut tut. Es ist wunderbar ruhig und unprätentiös, Fachwerkdörfchen und lecker Bratwurst am Dreiländereck Hessen/Thüringen und Bayern. 


Leider haben wir in diesen Ferien nicht so viele Tage Zeit, alles zu entdecken. Für einen langen Spaziergang haben wir uns diesmal ein Moor ausgesucht:

 

Schwarzes Moor

Inmitten der Rhön gibt es auch Moore, eines davon ist das Schwarze Moor. Auf einem pittoresk verwitterten Holzbohlenweg geht es zweieinhalb Kilometer durch eine irre Landschaft, die erst was von einem Urwald und dann von einem Science-Fiction-Setting hat. 










Wer mag, darf an einer Stelle mal mit den Füßen ins Moor steigen - was sich irgendwie schön schlotzig anfühlt :-)

Die Rhön...

...ist eigentlich von überall gut zu erreichen, den sie liegt fast in der Mitte Deutschlands. Von Berlin aus dauert es mit dem ICE gut drei Stunden bis Fulda oder mit dem Auto circa 4,5 Std. 


Weitere Infos:

Rhöner Tourismusführer mit einer Ideenkiste für Kinder


 



Brandenburg/Oderbruch:                  Freilichtmuseum Altranft

Ganz weit im Osten, kurz vor der polnischen Grenze an einem Oderarm gelegen, zeigt sich Brandenburg von seiner dorfidyllischen Seite. Sandige Wege, alte Bäume, Kopfsteinpflaster und ein klassischer Dorfanger, um den sich die typisch preußischen, geduckten Häuser aneinanderreihen. Einerseits scheint die Zeit stehengeblieben, andererseits wirken die restaurierten Häuschen so strahlend und anheimelnd, so dass dem urbanen Besucher sofort die Landsehnsucht überfällt.

 

Schon vor vierzig Jahren wurde das Dorf als Hort für die Agrargeschichte auserkoren, daraus ist ein Freilichtmuseum gewachsen. Das Schloss, nach seinem letzten Umbau 1876 in neobarocker Form, steht in einem kleinen Park mit Aussicht auf eine Pferdekoppel. Perfekte Terrasse für KaffeekuchenEis und ein Weizen in der Sonne! 

 

Ich war schwer begeistert, dass einige Räume des Schlosses wieder originalgetreu mit Möbeln aus der Gründerzeit eingerichtet sind, so dass man einen guten Eindruck vom Leben des preußischen Landadels bekommt. Ein gelber Salon als Rückzugsort für die Damen des Hauses, das naturgemäß schwere und dunkle Jagdzimmer für die Herren und das gemeinschaftliche Schlafzimmer mit wuchtigen Betten und Waschtischen sind zu sehen. Die Gutsküche gewährt Einblick in die Haushaltung mit einem Holz-Kohle befeuerten Herd und einem Eisschrank. Zuguterletzt der Speisesaal mit beeindruckendem Stuck und riesigem Buffet.

 

Sehr beflissene und nette ältere  Damen erklären gern die Geschichte des Hauses und auch alle weiteren Ausstellungsstücke, die das Dorfleben abbilden: Spielzeug, Werkzeuge, Hausrat.

Den besten Ein- und Überblick gibt eine Führung durch das Dorf. Das Wasch- und Backhaus, das schöne reetgedeckte Fischerhaus, ein Wohnhaus von 1698 erzählen die Geschichte der Gewerke wie Flachsverarbeitung, Korbmacher etc. Auch ein möbliertes Wohnhaus kann besichtigt werden.

 

Schön, dass man Geschichte so nahtlos erleb- und spürbar machen kann, das finde ich grade für Kinder anschaulicher und viel spannender!

 

Freilichtmuseum Altranft


Brandenburg/Havelland:                                         Ribbeck und Kinderbauernhof Marienhof

Ich teile ein Deutschunterricht-Trauma wahrscheinlich mit Tausend anderen (Ex-)Schülern: Der olle Ribbeck wollte und wollte mir nicht ins Hirn...entschädigt hat mich nun der Ausflug an den Ort des Geschehens. Ein schönes altes Schloss mit feinem Restaurant und ein Garten, für den jedes Bundesland einen Birnbaum gespendet hat. Gegenüber befindet sich eine alte Dorfschule, deren altes Klassenzimmer angeschaut (und ausprobiert) werden kann. Darüber hinaus gibt es im liebevoll und detailreich eingerichteten Café suuuperleckeren Kuchen - oder auch Kartoffelpuffer mit Apfelmus...

  Einen ungefähr zwanzigminütigen Fußmarsch (oder eine kurze Autofahrt) entfernt liegt der Kinderbauernhof Marienhof. Hier ist alles komplett auf Kinder eingestellt - wer mag, kann auch dort seinen Geburtstag feiern oder gleich übernachten. Ich habe mich sofort in die kleinen Hängebauchferkelchen verknallt und mit dem Esel Brüderschaft ääh, gekrault. Das Rübchen hat sich für eine halbe Stunde geführt auf ein Pony geschwungen und konnte ihre groooße Liebe für Ziegen ausleben. Für zwischendurch gibts Limo, Kuchen und Eis am Kiosk und einen Spielplatz!


Brandenburg/Havelland:                     Ziegenkäserei Karolinenhof 

Zugegebenermaße hatte ich Scheu vor dem Glas frischer Ziegenmilch - habe es aber nicht bereut!! Wer Ziegenkäse liebt, wird sich hier gut aufgehoben fühlen.

113 Ziegen leben auf dem Karolinenhof und jeder Besucher kann einen Blick in den geräumigen Stall werfen. Um diese Jahreszeit hüpfen auch kleine Zicklein über die Wiese. Vor Ort wird dann der Käse hergestellt - und der wiederum kann gleich im Wiesencafé probiert werden. Das Café selbst befindet sich in einem Wintergarten mit toller Aussicht über die Felder. Neben Ziegenstreicheln hat der Rübe die Baumschaukel und das Trampolin gut gefallen. 

Karolinenhof, 16766 Flatow