Der Ernst des Lebens...

Katrin Häusler ist Grundschullehrerin und hat zwei Kinder. Hier schreibt sie, wie man den Alltag mit einem frischen Schulkind gestalten kann:

 

Es ist wieder so weit! Anfang September hat für rund 30.000 Erstklässler in Berlin die Schule begonnen.  Die Vorfreude bei den Kindern war meist groß, ebenso die Aufregung und ja, es war auch etwas Angst, die da häufig mitschwang. Eltern fühlen da ganz ähnlich, schließlich weiß man ja nie, wie gut und schnell sich das Kind einleben wird. Kommt es mit der Umstellung vom spielerischen Kindergarten auf den ernsten Schulalltag klar? Wird mein Kind auch von den Lehrkräften auf dem Stand abgeholt, auf dem es sich kognitiv und emotional befindet? Welche Verpflichtungen und Veränderungen kommen auch auf uns als Eltern zu und haben wir unser Kind entsprechend vorbereitet? 

 

Natürlich bedeutet der Start in den Schulalltag eine gewaltige Umstellung: Statt sich den Tag frei einteilen und mit Freunden spielen zu können, müssen sie nun mehrere Stunden in einer noch fremden Umgebung verbringen. Der sorglosen, spielerischen Zeit im Kindergarten folgt nun eine, in der sie die meiste Zeit still sitzen und konzentriert zuhören müssen. Hier könnt ihr als Eltern eure Kinder unterstützen, indem ihr ihnen einen geregelten Tagesablauf gestaltet. Dieser hilft ihnen und vermittelt Sicherheit. Achtet auch auf einen entspannten Start in den Tag: Rechtzeitiges Wecken sowie ausreichend Zeit fürs Waschen, Anziehen und das Frühstück muss sein, um gut in den Schultag zu starten.

 

Des Weiteren sollten die Kinder nicht mit einem vollgestopften Terminkalender überfordert werden. Schließlich sind sie nun auch „berufstätig“. Am Nachmittag muss genügend Zeit zum Spielen und  Ausruhen bleiben. Wenn sie aus der Schule kommen, ist erst einmal Entspannung angesagt. Auch können die Kinder nun von ihren Erlebnissen berichten. Häufig hört man von Elternseite, dass Kinder auf die ehrlich interessierte Frage: „Wie war´s in der Schule?“ für Eltern meist unbefriedigend, weil einsilbig antworten. Keine Sorge, dass ist ganz normal. Vielleicht findet ihr zu einem späteren Zeitpunkt nochmal etwas Ruhe und Zeit für ein kleines Gespräch. Ansonsten vertraut einfach darauf, dass die wirklich wichtigen oder das Kind bewegenden Erlebnisse auch ihren Weg zu euch finden. Sollte das ungute Gefühl oder einfach nur die pure Neugier zu groß werden, scheut euch nicht, die Lehrkraft um ein Gespräch zum allgemeinen Stand zu bitten. 

 

Die nächste wichtige Neuerung tritt in Form von Hausaufgaben nicht nur in das Leben des Kindes, nein auch in das der Eltern. Ihr solltet der Versuchung, ja dem Drang, den Kindern die richtige Lösungen vorzusagen oder alle Arbeitsergebnisse entsprechend euren Ansprüchen zu korrigieren, widerstehen. Kinder müssen langsam an selbstständiges Arbeiten herangeführt werden und sollten versuchen, die Aufgaben alleine zu lösen. Eltern können ihre Kinder aber unterstützen, indem sie in der Nähe bleiben und bei Fragen behilflich sind. Ihr solltet an eure Kinder keine zu hohen Erwartungen stellen und sie nicht nur an ihren Leistungen messen. Fehler und Misserfolge gehören zum Lernen dazu und sind kein Weltuntergang. Die Kleinen müssen sich schließlich auch erst an Hausaufgaben und den Leistungsdruck gewöhnen.

Achten sollte man bei seinem Kind aber unbedingt auf die richtige Stifthaltung sowie auf die korrekte Schreibrichtung, sowohl bei den Buchstaben, als auch bei den Zahlen. Fehler hier können schnell und auch langfristig zu Verspannungen und Rückenproblemen führen.  Hier darf ruhig korrigierend eingegriffen werden.

 

Den "richtigen" Zeitpunkt für Hausaufgaben gibt es nicht: Für manche Kinder ist es einfacher, wenn sie sie gleich nach der Schule erledigen, weil der Stoff noch präsent ist. Andere Kinder brauchen etwas mehr Zeit, um sich auszuruhen. Es empfiehlt sich aber nicht, die Schularbeiten in die Abendstunden zu verlegen. Als Richtwert gilt allgemein, Hausaufgaben sollten in der 1. Klasse 30 Minuten nicht überschreiten. Dies gilt auch für die 2. Klasse. In der 3. und 4. Klasse dürfen Hausaufgaben 45 Minuten und in der 5. und 6. Klasse 90 Minuten dauern. Sollten Kinder diese Zeiten wesentlich überschreiten, so nützt es nichts, das Kind unter Druck zu setzen oder in den Prozess der Hausaufgaben verstärkt einzugreifen. Auch hier empfiehlt es sich, sich an die Klassenlehrkraft zu wenden. Gemeinsam können Gründe erörtert und Lösungen meist schnell gefunden werden. 

 

Treten im Verlauf des Schuljahres Probleme, Unsicherheiten oder Fragen auf, sollte man sich möglichst schnell vertrauensvoll an die Klassenlehrkraft wenden. Häufig scheuen Eltern diesen Weg oder gehen ihn erst viel zu spät: Man will nicht „stören“ oder gar als zu kritisch gelten, es besteht die Hoffnung, ein Problem löse sich von selbst, im schlimmsten Fall fehlt gar das Vertrauen. Man muss sich bewusst machen, wie wichtig für ein erfolgreiches Schulleben die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus ist. Dieser Weg ist allerdings in beide Richtungen begehbar: Ein offenes Ohr für Anregungen durch die Schule und das Vertrauen in die Arbeit der Lehrkraft sollten vorhanden sein.

 

Nach all der Theorie sollte die Devise aber schlichtweg lauten: Nicht so viele Gedanken machen und sich einfach gemeinsam mit den Kleinen auf den neuen Lebensabschnitt freuen!