Pippisierung

Eltern finden ja Pippi Langstrumpf schon allein aus nostalgischen Gründen toll, gern denkt man sich in dieses heile schöne Landleben aufm Pferd mit Schwedenhaus, alle Kinder sind immer draußen und riechen frisch und sehen pumperlgesund rotbackig aus. Ja, es ist ja so toll, dieses autarke, starke und selbstbewusste Mädchen!! Dagegen diese langweilige, angepasste Annika!!


Ich möchte Annika adoptieren. Bei mir lebt allerdings das Mädchen mit dem Karnevals-Ringelkleid, das SOFORT nach der Kita angezogen werden muss, zusammen mit Papas Sommerschuhen. Darüber hinaus obliegt mir der Versuch, aus einem Pagenschnitt zwei Zöpfe zu gewinnen. Die Ohren sind nach der Postkita-Metamorphose komplett auf Durchzug gestellt, weil "man kann alles machen was man will, Mama!!!" (also nicht aufräumen, waschen oder essen). Man kann das gesamte Wohnzimmer mittels Stühlen, Fußbänken und Bettbezügen in eine Villa Kunterbunt verwandeln, die NICHT angerührt werden darf (ja, das Kind hat auch ein Zimmer). Man kann im Bad mit Wasser rumsplentern, bis keine Socke mehr trocken bleibt oder das elterliche Schlafzimmer umpflügen. Ich sehne mich nach der Brusseliese.

Das ging soweit, dass ich gestern den ehernen Satz von mir gegeben habe - oder mich vielmehr mit heiserer Der Pate-Stimme habe sagen hören: "Ich bin deine Mutter. Ich stehe über dem Gesetz." Oder mit Dr. Huxtables Worten: "Ich bin Dein Vater, ich habe Dich in die Welt gesetzt und kann dich auch wieder rausbefördern." Voll anti-Pippi-mäßig.


Da hängt man nun als Elter zwischen den Stühlen, weil man  natürlich ein Kind haben möchte, das seine Fantasie auslebt, das sich nicht unterbuttern oder verängstigen lässt. Andererseits ist man voll die Annika-und-Tommy-Mutter, die es gern aufgeräumt hat, die will, das die Kinder Gemüse essen und zeitig ins Bett gehen. Also eher auf der ähm, autoritären Seite unterwegs ist.

Den Weg in der goldenen Mitte zu finden ist da eher schwierig. Ich habe mich einfach jetzt selber zur Königin der Kolemukken oder wie sie heißen ernannt, das verleiht mir Würde und Weisungskraft (öhem). Ich verfüge: es gibt Blumenkohl zum Abendessen....

hooojahooo und ne Buddel voll Rum.

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Kommentare: 1
  • #1

    Marcus (Dienstag, 03 Februar 2015 17:39)

    Najaaa, Pippi ist halt eine Utopie - ein "nicht-Ort", wenn auch einer für Kinder. Alle Kinder die ich kenne, würden wohl nach 4 Tagen in einem wahrgewordenen Taka-Tuka-Land freiwillig und sofort den Rückweg nach Hause antreten. Utopien funktionieren eben nur als Gegenpol zu etwas bereits Gesetztem und sind als Solche unheimlich wichtig, auch schon für die Kleinsten. Da bleibt uns doch nur der Mittelweg, so irgendwo zwischen Südseekönigin und Gouvernante...