Ich und du

Gerade wurde Katharina von StadtLandMama ordentlich kritisiert zu Ihrer Meinung zum Thema Familienbett. An sich denke ich generell, soll doch jeder machen wie er meint und bei jedem funktionieren Dinge anders. Aber in einem Punkt hat sie Recht und ich würde gern mal in die Bresche springen: Mamas Feierabend.


Katharina schreibt: [...] sonst schlafen sie in ihren Betten. Warum? Weil ich eine Pause brauche. Jeden Tag von 6.30 Uhr bis 20 Uhr bin ich für meine Kinder da. Ich tue mein Bestes und denke, dass es meine Kinder gut haben. Wir kuscheln viel und genießen die Nähe zueinander. Doch nachts will ich alleine sein, ich will Raum für mich haben und schlicht meine Ruhe. Ich will Kraft tanken für den nächsten Tag. Ich will wieder nur Katharina sein und nicht Mama.


Mir geht es überhaupt nicht um das Thema, wo das Kind schläft. Ich meine auch nicht die Abendgestaltung mit Säuglingen, die wie ein kleiner Klebezwerg ausschließlich an/auf Mama selig sind und sonst nirgends. Sondern wo ich gegenüber meinen Kindern, sagen wir mal ab 2 oder 3 Jahren meine Grenze setze - mein Tanzbereich, würde der Dirty Tanzlehrer jetzt sagen. 


Ich habe mit dem Rübchen einen Kurs mit kompetent-pragmatischer Leiterin besucht, in denen es auch häufig um das Thema Schlaf ging. Einmal beklagte sich eine Mama, sie müsse den ganzen Abend das Kind (anderthalb) herumtragen, weil es sonst nicht schlafen will. Sie könne nicht mehr, es sei nervig und weder sozial noch orthopädisch vertretbar. Die Leiterin fragte: "WILLST du denn dein Kind herumtragen?" Die Antwort: "Nein." - "Dann tu es auch nicht."


Nehmen wir mal Krankheitsfälle, Hotels und gerade gehabte Alpträume mit Monstern aus, habe ich in puncto "ich halte eine Stunde einen Finger fest" eine zumindest augebrauenhochziehende und fragende Miene. Ich sage offen, dazu habe und hätte ich keine Lust, mir ist kalt, ich hätte gern ein Glas Weisswein und meinen Mann und einen Tatort im Fernsehen. Ich brauche einen (zeitlichen) Rückzugsort, weil ich sonst durchknalle und um für täglich 13 und auch manchmal nächtliche ein bis zwei Stunden verfügbar und kindgerecht zu sein. Ich mache alles, dass das Kind sich sicher fühlt und es eine Umgebung hat, die ihm Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Wärme spürbar macht. Es ruft Mama aus seinem Zimmer und ich komme zuverlässig angetrabt. Hole Wasser, mache irgendwelche Lichter an und aus, suche Kuscheltiere. Aber ich komme nicht beim vierten Mal wegen Quatsch. Das gab schon Knatsch und Trotztränen, aber irgendwann habe ich Feierabend. Ich lese vor oder es gibt Leo Lausemaus als Hörbuch, ich sitze auch gern noch eine Viertelstunde im Dunkeln und flüstere leise Unterhaltungen über Biene Maja und Kitafreunde. Dann: Gute Nacht, Kuss, schlaf schön. Da hab ich mich erfolgreich durchgesetzt. 


Ich habe Freunde, da waren wir zum Abendessen eingeladen und die Dame des Hauses verschwand um kurz nach acht, um die Kinder ins Bett zu bringen. Sie tauchte allerdings erst zwei Stunden später wieder auf, weil das Söhnchen ihre Hand einfach nicht los lassen und schlafen wollte. Sorry, Lisa, aber da frage ich mich schon, ob wir Eltern oder Sklaven sind.


Wir sind Eltern, wir müssen den Takt vorgeben, Raum geben und Vorbild sein, wir tragen eine immense Verantwortung. Und wir dürfen auch aus Kindersicht unpopuläre Entscheidungen treffen, eben weil wir auch Menschen sind mit Bedürfnissen, die auch mal genauso viel zählen dürfen wie Kinderbedürfnisse. Ich will ab acht Uhr mit Freunden essen und ein Erwachsenenleben haben dürfen. Zum Frühstück und zum nächtlichen Pipigang bin ich dann gern wieder Mama, die sich an einen schönen Abend erinnert und umso fröhlicher mit neuem Input den Tag startet. 


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