Rödelrödeltimewarp

Seit zwei Stunden will ich endlich hier diesen Text eintippen. Das Kind vergnügt sich in der Kita und alle Welt schreit: Ey, du hast doch jeden Tag FÜNF Stunden NUR FÜR DICH!!! 


Äääääh??


Nee. Ich hab nie Zeit für mich, also für die Sachen, die man sich morgens auf dem Weg zur Arbeit immer überlegt hat, was man jetzt alles schönes machen könnte ohne das blöde Büro. Frühstücken gehen ohne Kind. In Ruhe Zeitung lesen. Museen besuchen. Schwimmen gehen, also Sport überhaupt. Mit der Muttifreundin spazieren gehen. Lesen. Einen Blog schreiben!! Die Bude umkrempeln inklusive länglicher Besuche von schwedischen Möbelhäusern und Stilwerken. Endlich mal was sinnvolles für die Menschheit tun, ehrenamtlich.


Und nun bin ich seit längerem ohne Büro und komme original zu gar nix. Der kindlose Vormittag wird verschlungen von der Bettwäsche über und in die ich am Samstag die komplett volle Tasse Kaffee gekippt habe. Kleine und mittelgroße Staubviecher schleichen übers Parkett. Das Waschbecken fluoresziert in bleu. Parmesanspäne von vorgestern staksen aus dem Holztisch. Frühstücke und Abendbrote widerspiegeln sich unterm und am Triptrap. Ah, der Bügelberg! Ich hab keine Ahnung, wer seine Wäsche hier sonst noch abgibt. 


Das hab ich alles auch schon mal neben dem 30 Stunden-Job geschafft, ich weiß nur leider nicht mehr, wie. Wahrscheinlich handelt es sich um eine physikalische TimeWarp-Geschichte: je weniger Zeit man hat (Job, Haushalt, Kind, übriges Gedöns), desto mehr kriegt man geschafft. Ist man mehrteilig zuhause ohne Termin außer Kindabholen, kriegt man die Streß-in-der-Freizeit-Krise. Warum auch immer...Vielleicht weil man mehr Möglichkeiten hat? Und schneller das Gefühl, nicht alle Möglichkeiten zu nutzen? Hm.


Muss gehen. Die Waschmaschine piept fertig.



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